Kammerchor Crailsheim

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Bach Motette zum Reformations-Festgottesdienst

10.11.17 (Allgemein)

Musik führt ins Zentrum des Glaubens

Im Fokus des Festgottesdienstes in der Friedenskirche steht Bachs Motette „Jesu, meine Freude“.

Ralf Snurawa |  
Die Sängerinnen und Sänger vom Kammerchor Crailsheim zeigen das breite Spektrum ihres Könnens.  Foto:  Ralf Snurawa

Musik sei für ihn „zentraler Ausdruck der evangelischen Freiheit“, bekannte Pfarrer Florian Lampadius in der am Dienstag gemeinsam mit Pfarrer Ulrich Wildermuth gehaltenen Dialogpredigt in der Friedenskirche Altenmünster über Bachs Motette „Jesu, meine Freude“. 500 Jahre Reformation seien für ihn Anlass, darüber nachzudenken, wie sich denn sein eigener Zugang zum christlichen Glauben entwickelt habe: „Mein Glaube ist in seinem Kern ersungener und erspielter Glaube; und dabei haben die Musik von Bach und die damit verbundenen Choraltexte zentrale Bedeutung.“

Bach als fünfter Evangelist

Johann Sebastian Bach sei ja auch schon als „der fünfte Evangelist“ bezeichnet worden, ergänzte Wildermuth. Er habe immer wieder Choräle verarbeitet. Johann Crügers „Jesu, meine Freude“ sei für Bach „wohl der Inbegriff des Evangeliums“ gewesen, weil es „ins Zentrum des Glaubens“ führe: „zum Glauben an Jesus Christus“.

Der Beginn sei, so Lampadius, noch durch einen Seufzer bestimmt, dem am Ende Zuversicht gegenüberstehe. Das ließ sich wunderbar der Interpretation des Crailsheimer Kammerchores unter der Leitung von Bettina Kartak entnehmen. Schön dezent wurde etwa das „Ach“ der ersten Choralstrophe hervorgehoben, während am Ende das „Weicht, ihr Trauergeister, denn mein Freudenmeister, Jesus tritt herein“ mit kraftvoll angestimmt wurde.

Dem Choraltext von Johann Franck hat Bach in seiner Motette Auszüge aus Paulus’ Römerbrief hinzugefügt. Nach der ersten Strophe folgt das in Bachs Vertonung so berühmt gewordene „Es ist nun nichts“ mit seinen Generalpausen. Die Wiederholungen gelangen den Sängern leise geatmet.

Zentrales Moment der Komposition ist die sich auch auf den Römerbrief beziehende Fuge „Ihr aber seid nicht fleischlich, sondern geistlich“. Das sei, so Lampadius, „die Freiheit des evangelischen Glaubens auf den Punkt gebracht“. Es gehe da nicht um eine Zweiteilung des Menschen, ergänzte Wildermuth in der Predigt. „Fleisch“ bedeute eine ichbezogene Existenzweise, „Geist“ dagegen, „dass wir zu Jesus Christus gehören und an ihm teilhaben“.

Dem Kammerchor gelang die Fugenwiedergabe sehr klar, ebenso die Gegenüberstellung mit „Wer aber Christi Geist nicht hat“. Voraus geht dieser Fuge die Choralstrophe, die den Trotz thematisiert.

Trotz dem alten Drachen

Ulrich Wildermuth bezog es auf den Protestantismus: „Schon das Wort ‚Protestantismus’ hat es mit Protest, also mit Trotz zu tun. Und auch Martin Luther hat dem Kaiser getrotzt auf dem Reichstag zu Worms.“ Mit Entschiedenheit wussten die Sänger gerade dieses „Trotz dem alten Drachen“ wiederzugeben. Ausdrucksstark gelangen auch die Figurationen über „der Geist ist das Leben“ oder das Seufzen zur „Gute Nacht“-Strophe.

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